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Zitieren sie diesen Text bitte folgendermaßen: Tyszkiewicz, Adriana: Männlichkeit und Weiblichkeit. In: Webportal für die Geschichte der Männlichkeiten des Instituts für Geschichte der Universität Wien, http://www.univie.ac.at/igl.geschichte/maennergeschichte/sozialisation/erziehung_01.htm
Unterwerfung der Weiblichkeit am Beispiel der Ausführungen von Francois Poulain de la Barre und John Stuart Mill.
Geschichte und Literatur zeigen uns zahlreiche Meinungen
und Ansichten über das “Wesen” der beiden Geschlechter,
die vor allem von Überlieferungen und Mythen herrühren. Schon die Philosophen früherer Zeiten starteten die beiden Geschlechter mit einem Spektrum unterschiedliche Eingeschäften aus. Sie hielten die Frauen für emotionsgeleitet und reduzierten sie auf “Nur Natur”, während der Mann als rationales und intellektuelles Geschöpft galt. Fest steht, Männer und Frauen sind verschieden. Wir alle wissen, dass Frauen und Männer tatsächlich anders denken, reden, fühlen, wahrnehmen und unterschiedliche Bedürfnisse haben. Diese Unterschiede spielen sich jedoch immer innerhalb gewisser Rahmen ab. Die Frage, die sich hierbei stellt, lautet: Wer hat diese Rahmen um unsere Handlung gezogen? Die Natur oder die Gesellschaft? Haben also beispielweise Männer auf Grund ihres biologischen Geschlechts die durchschnittliche höhere Aggressionsbereitschaft als Frauen oder ist diese nur erziehungsbedingt? Sind Frauen von Natur aus emotionaler als Männer oder ist diese Eigenschaft nur eine Folge gesellschaftlicher Prägung. Im folgendem Essay handelt sich um einige wenige mutige
Philosophen und Theologen, die in einer Zeit in der das Kräfteverhältnis
der Geschlechter seine Rechtfertigung nur daraus zog, dass es althergebracht
war, sich weigerten, dieses als eine Folge der natürlichen Ordnung
der Dinge oder als göttliche Vorsehung zu sehen( vgl.Groult 1995)
Sie prangerten männliche Privilegien und den männlichen Missbrauch
der Macht an, forderten die Gleichberechtigung und führten die angebliche
Minderwertigkeit der Frauen af eine reine, so wie man heute sagen wurde,
soziokulturelle Konditionierung zurück. 1673 veröffentlichte Francois Poulain de la Barre eine
Schrift mit dem Titel “ Über die Gleichheit beider Geschlechter;
Eine Moralische und physikalische Abhandlung über die Bedeutsamkeit,
sich von Vorurteilen freizumachen”. Poulain de La Barre versucht,
wie der Titel schon sagt, zu beweisen, “dass eine Ansicht, die so
alt ist wie die Welt, so verbreitet wie die ganze Erde und ebenso universell
wie die gesamte Menschheit, nur ein Vorurteil oder ein Irrtum sein kann”.(
zitiert nach Groult 1995, S 15) Der Hauptpunkt seiner Kritik sind die
Vorurteile von denen sich nicht nur das gemeine Volk, sondern auch fast
alle Gelehrten freimachen müssen. “ Ihre stärksten Thesen[…], lassen sich zurückfuhren auf die Aussage, dass hinsichtlich der Frauen die Dinge immer so gewesen seien, wie sie sind, und das dies ein Zeichen sei, dass sie immer so bleiben mussten. Aber die Menschen sind von unendlich vielen Dingen Überzeugt, für die sie keinen Grund angeben konnten…und sie waren ebenso heftig vom Gegenteil Überzeugt gewesen, wenn sie die Sinneseindrucke oder der herkömmliche Brauch sie dazu veranlasst hatten.” (zitiert nach Groult 1995, S.18) Nach dem Versuch die Menschheit davon zu Überzeugen, dass eine allgemeine Verbreitung einer Ansicht noch lange kein Grund für ihre Stichhaltigkeit sein muss, geht Poulain weiter und vergleicht sehr nüchtern die Lage der Frauen in den verschiedensten Ländern. “In China schnurrt man ihnen von der Kindheit an die
Füße ein, damit sie Nichthaus dem Haus gehen können, in
dem sie fast niemals jemand anderen sehen als ihren Mann und ihre Kinder.
In der Türkei sind die Frauen fast ebenso eingeschränkt. Kaum
besser ist es in Italien. Nahezu alle Volker in Asien, Afrika oder Amerika
benützen ihre Frauen so wie hierzulande die Dienstboten. Überall
beschäftigt man sie nur mit Dingen, die als niedrig erachtet werden.
Und weil nur sie sich mit kleinen Besorgungen des Haushalts und mit den
Kinder beschäftigen, ist man allgemein davon Überzeugt, dass
sie nur deshalb auf der Welt und unfähig für das ganze Übriege
seien. Alle Gesetze scheinen nur dafür gemacht, de Männer den
Besitzstand zu wahren, den sie haben. Und fast alle, die als Gelehrte
galten und sich über Frauen äußerten, haben nichts zu
ihren Vorteil gesagt Auf erstaunlich moderne Art und Weise übt Poulain nicht
nur Kritik am vorherrschenden Patriarchat, sondern erkannte zweifellos
als erster Philosoph die große Bedeutung der Erziehung und Konditionierung.
Er betont in seiner Schrift immer wieder, dass Zweitrangigkeit der Frau
keinesfalls naturgegeben ist. Vielmehr macht er darauf aufmerksam, dass
die Unwissenheit und Bequemlichkeit des weiblichen Geschlechts lediglich
auf dessen mangelnde Erziehung zurückzuführen ist (vgl.Hierdeis
1992). Wie die Mädchenerziehung zu tausend unnutzen Tätigkeiten
bewusst gesteuert wird, mit dem Ziel sie davon zu Überzeugen, dass
sie wirklich dummer sind als ihremannlichen Geschlechtsgenossen, analysiert
er sehr scharf im folgenden Abschnitt: Nachdem Poulain de La Barre aufgezeigt hat, dass die Ursache, warum Frauen den Männer in Wissen, Beruf und künstlerischen Fähigkeiten unterlegen sind, einzig und allein an einem Mangel der Erziehung, aber keinesfalls an einem “Mangel der Gehirn”liegt, geht er einen Schritt weiter und beschäftigt sich mit der leiblichen Differenz der Geschlechter. Da im 17. Jahrhundert im Namen der Schamhaftigkeit und der guten Sitten der weibliche Körper und ganz besonders die weiblichen Organe weder in Anatomiehandbuchern existierten noch auf dem Lehrplan des Medizinstudiums standen ( vgl. Groult 1995) , wagte Poulain ein großes Tabu zu brechen, wenn er sagt: “…. Aber die Männer, die bemerkten dass sie im Verhältnis der Geschlechter einige körperliche Vorteile hatten, bildeten sich ein, dass ihnen dieser Vorteil in jeder Hinsicht zustunde. Da die Beschwernisse und die Folgen der Schwangerschaft die Kräfte der Frauen wahrend dieser Zeiten verringern…hielt man sie für minderwertiger als die Männer…”(zitiert nach Groult 1995, S.23) Nach diesen Ausführungen, die eine durchaus logische
Begründung zur Entstehung der Unterwerfung des weiblichen Geschlechts
beinhaltet, nimmt sich Poulain auch kein Blatt vor dem Mund, wenn es darum
geht, den Totalitätsanspruch von Wissenschaft zu kritisieren. Was Polain de La Barre im 17. Jahrhundert für wünschenswert
hielt forderte auch noch 2 Jahrhunderte später John Stuart Mill,
was nicht anders als ein Beweis dafür ist, dass die geforderten Reformen
für die Gleichberechtigung nicht verwirklicht worden waren und sich
die Situation der Frauen in keinerlei Weise verändert hatte. “ Die Ungleichheit der Rechte zwischen Mann und Frau
hat keine andere Quelle als das Faustrecht- das Recht des Stärkeren.” So wie Poulain de La Barre wendet sich auch Mill gegen die
sogenannten natürlichen Argumente, die im patriarchalischen Denken
der bürgerlichen Gesellschaft im 19. Jahrhundert weit verbreitet
waren. “ Zu diesem Zwecke ist alles angewandet worden, um
den weiblichen Geist niederzuhalten…Jede Frau wird von frühester
Jugend an erzogen in dem Glauben, das Ideal eines weiblichen Charakters
sei eine solcher, welcher sich im geraden Gegensatz zu dem des Mannes
befinde; kein eigener Wille, keine Herrschaft über sich durch Selbstbestimmung
sondern Unterwerfung…Jede Sittenlehre predigt ihnen, die Pflicht
der Frau sei, für andere zu leben, sich selbst vollständig aufzugeben
und keine andere Existenz als in und durch ihre Liebe zu haben…dies
sei der Zustand, welcher der eigentlichen Natur der Frau gemäss ist”
Literatur: Groult Benoite:Gleiche unter Gleichen. München. Knauer Verlag 1995 Groult Benoite: Ödipus Schwester. Zorniges zur Macht
der Männer über |
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