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Zitieren sie diesen Text bitte folgendermaßen: Thaler, Andreas: Buchbesprechung von Robert W. Connell: Der gemachte Mann. In: Webportal für die Geschichte der Männlichkeiten des Instituts für Geschichte der Universität Wien, http://www.univie.ac.at/igl.geschichte/maennergeschichte/rezensionen/connell_01.htm
Robert W. Connell, Professor für Soziologie an der
University of Sydney beschäftigt sich in diesem Buch mit verschiedenen
Formen von Männlichkeit und stellt diese in einen breiten gesellschaftlichen
Zusammenhang. Der Titel der Cambridger Orginalausgabe von 1995 „Masculinities“
fasst genau dies in einem Wort zusammen. Das Buch „Der gemachte Mann“ ist in drei große Teile geteilt: Wissem im Wiederstreit, Vier Untersuchungen der Männlichkeitsdynamik, sowie Geschichte und Politik. Der erste Teil beschäftigt sich mit unterschiedlichen Theorien über Männlichkeit. Das Spektrum reicht von der Psychoanalyse bis zu den modernen Sozialwissenschaften. Auch jene, welche von politischen Bewegungen wie beispielsweise der Schwulenbewegung hervorgebracht wurden, werden angesprochen. Connell geht dabei davon aus, dass unsere Gesellschaft von einer ständigen Zweiteilung der Geschlechter und der ständigen Thematisierung der Geschlechtlichkeit von Personen bestimmt ist. Im zweiten Teil beschäftigt sich Connell mit vier männlichen Untersuchungsgruppen, die er aus der australischen Bevölkerung ausgewählt hat und mit denen er biografische Interviews geführt hat. Dabei versucht er deren Männlichkeit zu analysieren, ihre Lebenserfahrungen mit sozialen Strukturen in Beziehung zu setzen und dadurch die Heterogenität und die Wandelbarkeit von Männlichkeiten auszumachen. Im dritten Teil des Buches schließlich betrachtet Connell ein wenig das historische Entstehen und den Wandel heutiger Männlichkeitskonzepte in westlichen Gesellschaften und diskutiert sogenannte „Männlichkeitspolitik“. Connell unterstreicht in seinem Buch, dass Männlichkeiten nur innerhalb eines komplexen Geschlechterverhältnisses existieren und historisch und kulturell unterschiedlich sein können. Im Laufe seines Buches kommt Connell weiters zu dem Schluss, dass Homoerotik im Laufe der Zeit aus dem Männlichkeitskonzept ausgegliedert wurde und einer abweichenden, abgewerteten Gruppe zugeordnet wurde, dem Typus des „Homosexuellen“. Auf der anderen Seite sei ein Typus des „Heterosexuellen“ jedoch nicht konstruiert worden. Heterosexualität wurde aber nach Connell zu einem notwendigen Bestandteil von Männlichkeit. Er weist dabei auch darauf hin, dass die hegemoniale Männlichkeit Homosexualität unabhängig davon ausschließt, wie sich homosexuelle Männer selbst wahrnehmen. Homosexualität zählt Connell im aktuellen Kontext also zu den sogenannten untergeordneten Männlichkeiten. Seiner Meinung nach stellt die homosexuelle Männlichkeit die größte Opposition gegenüber der hegemonialen Männlichkeit dar. Diese Aussage trifft sicherlich auf die Schwulenbewegung der 70er und 80er des letzten Jahrhunderts zu, die unter anderem mittels ihres „Fummels“ die herrschende Geschlechterordnung angriff. Ob sie aber auch noch auf die heutige Zeit zutrifft, ist fraglich. Negativ anzumerken ist weiters, dass Connell vorwiegend
von der homosexuellen Männlichkeit spricht, obwohl durchaus verschiedene
Formen der homosexuellen Männlichkeit existieren. Zudem ist zu bemängeln,
dass im ersten Teil die Zusammenfassung unterschiedlicher Theorien über
Männlichkeit etwas zu kurz geraten ist und diese Theorien daher zu
schematisch wirken. Connels Theorie ist insgesamt gesehen also sehr vielschichtig
und lebendig und kann trotz der genannten Mängel hilfreich und anregend
sein, sich ein wenig genauer mit Männlichkeitsgeschichte und Geschlechtergeschichte
auseinanderzusetzen und sich eigene Gedanken dazu zu machen. Somit könnte
es Connell gelingen, etwas für den Wandel der hegemonialen Männlichkeit
und des hierarchischen Geschlechterverhältnisses beizutragen. Dies
wäre eines seiner Ziele. Literatur Connell, Robert W.: Der gemachte Mann. Konstruktion und Krise von Männlichkeiten (übersetzt von Christian Stahl). Hrsg. und mit einem Geleitwort versehen von Ursula Müller. Leske und Budrich, Opladen 1999. |
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